category: chaos
⚡️Rechercheförderung Fonds Dakü
Die Techno-Feministin Donna Haraway schreibt in „Unruhig bleiben“ über das städtische Leben von Tauben. Der Wissenschaftstheoretiker James Bridle fragt in seinem Buch „New Ways of Being“ nach Formen nicht-menschlicher Intelligenz. Die Anthropologin Anna Tsing vollzieht in ihrem Buch „Der Pilz am Ende der Welt“ den Weg des Matsutake Pilzes nach, der auch auf unwirtlichen Böden gedeiht und dabei zur Regeneration des Waldes beiträgt. Allen Autor*innen ist gemein, dass sie einen Perspektivwechsel wagen: weg vom Anthropozentrismus, hin zu anderen, teils chaotisch wirkenden Systemen, die unsere Umwelt bilden. In der zweimonatigen Residenz im März und April 2023 widmete sich das Projekt „Category:Chaos“ in Kooperation mit dem TNT Marburg diesen versteckten Netzwerken, systemischen Beziehungen und vergessenen Gefährt*innen. Es folgte dabei den chaotischen Mustern und Bewegungen von Tieren, Witterungen und Naturbegebenheiten und kam damit dem Aufruf Harways danach „sich-verwandt-zu-machen“ praktisch nach. Im ersten Teil bewegte sich das Forschungsprojekt dabei methodisch an der Schnittstelle von (praktischem) Stadtspaziergang und (gedanklicher) Forschungswanderung. Wie können wir uns in einer Praxis des „Weg-Sehens“, des „Ent-Lernens“, des „Um-Denkens“ üben und welche politischen und inszenatorischen Konsequenzen ergeben sich aus diesen neuen Blickwinkeln und Bündnissen? In der zweiten Hälfte der Residenz wurden nicht-menschlicher Akteur*innen in den Theaterraum einbezogen und die Fragen danach gestellt, wie Datenströme, Pilze, Spinnen, Algorithmen und Viren im Theaterkontext Raum und Stimme bekommen können und welche ästhetische Form ihnen
gerecht werden.